Desinformationskampagne von Prof. Stadler

Bereits im Januar erschienen. Prof. Dr. Breda M. Stadler von der Universität Bern zur angeblichen Unschädlichkeit von Umgebungsrauch:

Die Faktenlage ist zurzeit so, dass niemand bezweifelt: Rauchen ist für die Raucher gefährlich. Dass aber auch Mitraucher ernsthaft bedroht sind, scheint wissenschaftlich kaum zu erhärten.“

Der Herr Stadler hat dann doch nicht so gut recherchiert. So schreibt er

“Etwas eingeschüchtert habe ich mir die grösste im Bericht zitierte Studie aus dem British Medical Journal zu Gemüte geführt. Diese prospektive Studie umfasste einen Zeitraum von 39 Jahren und betraf 118094 Kalifornier. Genauer analysiert wurden 35561 Nichtraucher mit einem rauchenden Partner. ”

Hier zitiert Stadler die (von Forces Germany geliebte) Studie vom Enstrom et al. (teilweise von Philip Morris finanziert), die in der Fachwelt (wegen Untauglichkeit der Daten zu Passivrauchstudien) nicht anerkannkt ist und im selben British Medical Journal zerrissen worden ist. Details dazu siehe auch hier.

Weiterhin schreibt der “eingeschuechterte” Stadler:

“Wahrscheinlich wird diese Megastudie nie mehr in einem solchen Umfang wiederholt werden, weil zu teuer, und vor allem, weil kein kausaler Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Sterblichkeit nachgewiesen wurde.”

Bingo – es gibt in der Tat eine Wiederholung dieser “Megastudie” mit einem zehn mal groesseren Datensatz (CPS-II) basierend auf 1.2 Millionen, ueber Jahrzehnte befragten Amerikanern. CPS-II hat zudem viel detailliertere Patienteninformationen als Enstroms CPS-I, und CPS-II basierte Studien zeigen in der Tat statistische Evidenz fuer die Toedlichkeit des Passivrauchens. Das steht alles im von Herrn Stadler zitierten Report des Surgeon General drin. Warum verschweigt der liebe Stadler denn das alles?

Der Report des Surgeon General benutzt u.a. beide Datensaetze (CPS-I und CPS-II) und den Schlussfolgerungen Hunderter EInzelstudien. Die uebersichtlich zusammengefassten RR und OR-Messungen sowie die entsprechenden 95% Konfidenzintervalle sprechen eine deutliche Sprache. Daran aendert Enstroms Nullergebnis nichts (zumal der systematische Fehler seiner Studie hinlaenglich bekannt ist).

Was betreibt Herr Stadler denn da fuer eine Desinformationskampagne?

Auf den Rest brauche ich nicht einzugehen, da die gesundheitsfoerdernden Effekte des Passivrauchens eben nicht evident bewiesen sind. Herr Stadler bemueht beliebige Einzelstudien mit schwacher statistische Ausagekraft (Argumentationsstrickmuster wie im gerne von forses.org zitierten Propagandabeispiel „Passivrauchen macht Kleinkinder gesund“) und ignoriert den Rest an Evidenzen. Es ist unlogisch, bewusst einen Grossteil der vorhandenen Ergebnisse auszublenden.

Nun ein paar Hintergründe zu diesem werten Herrn:

Beda M. Stadler, Professor an der Universität Bern und Direktor des Instituts für Immunologie:

Üblicherweise ist der Professor auf einer ganz anderen Mission. Stadler kämpft für Wissenschaft, für Ratio, für Moderne. In über fünfzig öffentlichen Podiumsdiskussionen pro Jahr klärt er auf. Die Lieblingsthemen: Gentechnologie (pro), Biogemüse (contra), Impfen (pro), alternative Medizin (contra). Eine der Schlachten ist eben gewonnen: Bundesrat Pascal Couchepin strich verschiedene Alternativmethoden aus der Grundversicherung der Krankenkasse: Homöopathie, Neuraltherapie, Pflanzenheilkunde, anthroposophische und chinesische Medizin: «Die Erkenntnis hat über den Voodoo gewonnen», sagt Beda M. Stadler.

Warum reagieren die Gegner auf den Professor wie Milch auf Zitronensaft? Die Liste der Vorwürfe ist lang und substanziell: «Stadler putzt die Studenten im Unterricht und an den Prüfungen herunter und ist frauenfeindlich» (ehemalige Studentinnen), «Er verweigert sich wissenschaftlichen Studien, die seine Meinung nicht bestätigen» (Prof. Peter Heusser, Uni Bern, und Dr. med. André Thurneysen), «Er pachtet die Wissenschaftlichkeit für sich» (Simonetta Sommaruga), «Er ist von der Pharmaindustrie bezahlt. Für die Gentech-Demo hat er sich Busse sponsern lassen, mit denen er die Studenten nach Zürich gekarrt hat; die Industrie bezahlt seine Studien, und er ist in verschiedenen Gen-Gremien vertreten. Ausserdem missachtet er die Volksmeinung, die will nämlich die Homöopathie» (Jacqueline Bachmann, Geschäftsführerin Stiftung für Konsumentenschutz), «Er mischt sich in Dinge ein, von denen er keine Ahnung hat: Er ist Immunologe und hat im Leben noch nie einen Patienten untersucht. Wie will er über die alternative Medizin urteilen?» (sämtliche Befragten).

Quelle:
http://www.weltwoche.ch/artikel/?AssetID=11163&CategoryID=73

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