Die laienhaften Auftritte von Mitgliedern der Forces Germany, einer Rauchervereinigung, sind, angesichts der erdrückenden Beweislast über die Folgen des Tabakdrogenkonsums und die Todesfälle durch Passivrauchen ein skurriles Schauspiel mit vorhersehbarem Ende.

Bernd Palmer, Mitglied dieser Rauchervereinigung, schreibt in einem offenen Brief an Frau Großrätin Annemarie Pfeifer , EVP Basel:

Eine interessante deutsche Studie hat die Herzinfarkthäufigkeit von Anwohnern stark befahrener Strassen untersucht (die Studie wurde übrigens mit Sicherheit nicht von der Tabakindustrie finanziert). Das Ergebnis ist beängstigend:
Es wurde eine Assoziation zwischen der Exposition gegenüber dem Straßenverkehr und dem Auftreten von Herzinfarkten innerhalb einer Stunde nach dieser Exposition gefunden. Das OR (Odds Ratio=relatives Risiko) für Nichtraucher wurde mit 2.72 errechnet. Die Zeitspanne, die die beobachteten Personen im Auto, im öffentlichen Verkehr, auf Motor- oder Fahrrädern verbracht hatten, war durchwegs direkt mit dem Anstieg des Risikos verbunden. Die Benutzung eines Autos war bei den beobachteten Fällen die hauptsächliche Expositionsquelle; allerdings gab es auch einen Zusammenhang zwischen der Dauer der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel und dem Auftreten von Herzinfarkten innerhalb einer Stunde. – http://content.nejm.org/cgi/content/short/351/17/1721

Zur Erinnerung: Das relative Herzinfarktrisiko für einen passivrauchenden Lebenspartner eines Rauchers liegt gemäß dem Bericht des Bundesrates bei 1.25 (25%).

Im Klartext: nach einer Stunde im Straßenverkehr ist das Herzinfarktrisiko doppelt so hoch wie nach Jahrzehnten mit einem Raucher! Die Studie sagt nichts über das Herzinfarktrisiko eines Taxifahrers aus, der z. B. an der Klybeckstrasse wohnt und demzufolge vermutlich mehr als 12 Stunden täglich den Abgasen ausgesetzt ist, aber geringer wird es sicher nicht sein.

In der von Palmer zititerten Studie geht es um die “exacerbation” (zu Deutsch: Verschlimmerung) cardiovasculärer Erkrankungen.
In der Studie wurde untersucht, in wie weit eine Exposition im Strassenverkehr einen Herzinfarkt (bei bestehender cardiovasculärer Erkrankung!) auslösen kann.

Keinesfalls ist daraus zu schliessen, dass die URSACHE für die cardiovasculäre Erkrankungen die einstündige Exposition im Strassenverkehr ist, so wie es Herr Palmer suggeriert, vielmehr zeigt die Studie, dass bei einer vorliegenden cardiovasculären Erkrankung das Risiko für einen Herzinfarkt erhöht wird.

Es werden also Äpfel mit Birnen verglichen, somit ist die Behauptung, nach einer Stunde im Straßenverkehr sei das Herzinfarktrisiko doppelt so hoch wie nach Jahrzehnten mit einem Raucher, unsinnig wie unwissenschaftlich, sie ist Junk Science at it’s best.

Frau Großrätin Annemarie Pfeifer fertigte Herrn Palmer den Umständen angemessen mit einer kurzen, aber deutlichen Antwort ab:

Zum Thema Passivrauch gibt es viele Studien. Ich könnte ebenso eine Liste zusammenstellen, welche vor allem auch den positiven Einfluss von rauchfreien Gasttätten auf die Gesundheit der Mitrabeitenden und Gäste belegen.

Die wissenschaftliche Fachwelt hat die Schädlichkeit des Passivrauchens klar und deutlich nachgewiesen, nur ein kleines Häuflein Nikotinabhängiger will das nicht wahr haben.

Als Lektüre sei diesen Leuten die Homepage des Tabakkonzerns Philipp Morris empfohlen,

denn sogar die Tabakmultis haben es aufgegeben, die Schädlichkeit des Passivrauchens zu leugnen oder zu verharmlosen :

Fachleute des Gesundheitswesens sind zu dem Schluss gekommen, dass Passivrauchen bei erwachsenen Nichtrauchern Erkrankungen wie Lungenkrebs und Herzkrankheiten verursacht und bei Kindern Leiden wie Asthma, Atemwegsinfektionen und -beschwerden, Husten, Mittelohrentzündung sowie den Plötzlichen Kindstod verursacht. Des Weiteren sind Fachleute des Gesundheitswesens zu der Überzeugung gelangt, dass Passivrauchen Asthmaleiden bei Erwachsenen verschlimmern und Reizungen von Augen, Hals und Nase verursachen kann. „Passivrauch“, auch als Tabakrauch in der Umgebungsluft oder englisch ETS (environmental tobacco smoke) bezeichnet, ist eine Kombination des Rauches, der am brennenden Ende einer Cigarette entsteht, und des Rauches, der vom Raucher exhaliert (ausgeatmet) wird.

Die Schlussfolgerungen von Gesundheitsbehörden sollten maßgebend sein, wenn es um die gesundheitlichen Auswirkungen des Passivrauchens und um die Frage geht, ob man sich an Orten aufhält, wo geraucht wird, bzw., wenn man selbst raucht, wann und wo man dies im Beisein anderer tut. Besondere Umsicht ist geboten, wenn Kinder betroffen sind. Erwachsene sollten nicht in Gegenwart von Kindern rauchen.

Philip Morris International glaubt, dass die Schlussfolgerungen von Gesundheitsbehörden zum Passivrauchen ausreichen, um Maßnahmen zu rechtfertigen, die Regeln über das Rauchen an Orten mit Publikumsverkehr vorschreiben. Unserer Auffassung nach sollten die Behörden außerdem an Orten, an denen das Rauchen erlaubt ist, Warnhinweise vorschreiben, die auf die Schlussfolgerungen von Institutionen des Gesundheitswesens hinweisen, dass Passivrauchen bei Nichtrauchern Krankheiten verursacht.


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