Das Netzwerk Rauchen, die führende Organisation zur Verbreitung der Tabakmafia-Lügenopern, besteht aus einer Hand voll Passivrauchschädenskeptikern, die sich stets auf den Plan gerufen fühlen, wenn in Interetforen über Rauchverbote debattiert wird. Die Protagonisten der Tabakindustrie überschwemmen diese Diskussionen regelrecht mit Kommentaren über die „Mär“ von der Schädlichkeit des Passivrauchens, der sogenannten „Passivrauchlüge“.

Das Phänomen ist kein neues, denn tatsächlich gibt es seit vielen Jahren heftige Diskussionen über die „wahre“ Schädlichkeit des Passivrauchens. Allerdings nicht in Fachkreisen, sondern vielmehr in den Medien und auf einschlägigen Webseiten, die meist von Mitgliedern dieses dubiosen Rauchernetzwerks betrieben werden.

Die Passivrauchzweifler können für einen militanten Hardcoreraucher vermutlich auf den ersten Blick erstaunlich überzeugend wirken, aber jeder denkfähige Mensch wird nach einer kleinen Recherche der Für und Wider  vom Gegenteil überzeugt sein. 

Ein Beispiel, das oft von der fünften Kolonne der Tabakmafia zitiert wird ist der  Artikel des Technikphilosophen Prof. Günter Ropohl  mit dem Titel „Passivrauchen als statistisches Konstrukt“ , purer pseudowissenschaftlicher Unfug.

Warum?

1. Es gibt mehrere solcher Artikel wie jenen von Ropohl. Sie sind in der Argumentation einander alle sehr ähnlich, weil sie sich an denselben Informationsquellen bedienen. Diese Quellen wiederum werden zumindest teilweise von der Tabakindustrie gespeist. Dazu gibt es inzwischen Untersuchungen.

2. Typisch ist etwa der Hinweis auf wissenschaftliche „Dissidenten“, die angeblich totgeschwiegen werden. Ropohl zitiert Enstrom/Kabat 2003. Dabei weiß man inzwischen, dass diese Studie nicht nur schwere methodische Mängel hatte, sondern auch, dass Enstrom verschwiegen hatte, dass er seit Jahren von der Tabakindustrie gesponsert worden war.

3. Ebenfalls ganz typisch ist die Behauptung, dass in der Epidemiologie Risikofaktoren mit einem relativen Risiko (RR) unter 2,0 generell nicht weiter beachtet werden. Die Behauptung muss jeden verwundern, der schon mit epidemiologischen Studien zu tun hatte. Das wird üblicherweise durch Zitate belegt, u.a. aus Taubes 1995, den auch Ropohl zitiert. Bei näherer Betrachtung erweisen sich diese Zitate als aus dem Kontext gerissen und bewusst missverstanden. Sie gelten für kleine RRs, für die nur eine einzige epidemiologische Studie vorliegt.

4. Ropohl argumentiert und zitiert extrem selektiv. Z.B. das Herumreiten auf festgelegten Grenzwerten zu Niktoin am Arbeitsplatz ist sehr seltsam – als ob diese Grenzwerte die wissenschaftliche Wahrheit verkörpern würden. Alleine zum Lungenkrebsrisiko von nichtrauchenden Partnern von Rauchern gibt es über 50 Studien und ein paar Metaanalysen, die insgesamt klar auf ein RR von etwa 1,25 hinauslaufen. Die kann man nicht durch den Hinweis auf allgemeine Schwächen der Epidemiologie einfach wegwischen. Dazu kommt, dass völlig unterschiedliche methodologische Ansätze alle dasselbe Bild ergeben. Biologische Plausibilität liegt auch vor. Die Evidenz ist m.E. unübersehbar, wenn man unvoreingenommen analysiert.

5. Ropohls eigene Zahlen widersprechen seiner Botschaft. Auf S. 53 mokiert er sich darüber, dass Passivraucher durchschnittlich „nur“ eine tägliche Dosis von etwa 0,15 Zigaretten einatmen und meint, dass das RR bei solch geringen Dosen vernachlässigbar bzw. „überhaupt nicht mehr messbar“ sei. Nun, bekanntermaßen liegt das RR eines langjährigen Aktivrauchers bei etwa 30. Legt man 20 Zigaretten täglich für den Aktivraucher zugrunde, so ist das das 133-fache des Passivrauchers. Dieser müsste bei linearer Dosis-Wirkung Beziehung also ein RR von etwa 1,22 haben. Das stimmt mit den im Bereich 1,2 bis 1,3 angegebenen RRs sehr gut überein, die Ropohl eigentlich widerlegen will.

6. Ropohl bezeichnet die Pötschke-Langer-Studie als völlig unplausibel und stützt sich dabei auf die Zahlen aus Tabelle 1 seines Artikels, die eine geringere Mortalität von Passivrauchern zeigen. Das ist schon beinahe lächerlich. Ropohl weiß sehr wohl, dass reine Passivraucher keine Aktivraucher sein können, letztere aber bekanntermaßen die Mortalität in den Gesamtzahlen erhöhen. Dieses Argument ist manipulativ.

Ropohl’s Artikel ist pure Manipulation, ganz im Stil der Tabakindustrie. 1998 wurden die Tabakkonzerne im Zuge der großen Schadensersatzprozesse von US-Gerichten dazu gezwungen, ihre gesamten internen Dokumente öffentlich zugänglich zu machen. Auf Seiten wie www.tobaccodocuments.org oder www.legacy.library.ucsf.edu kann jeder in den insgesamt 40 Millionen Seiten stöbern.

Thilo Grüning von der London School of Hygiene & Tropical Medicine hat mit einigen Kollegen die Dokumente systematisch ausgewertet und untersucht. Dabei fand er Beweise dafür, wie die Tabakindustrie hochrangige deutsche Ärzte und Wissenschaftler über Jahrzehnte hinweg mithilfe von Geld zu ihren Gunsten beeinflusst und die Forschung manipuliert hat.

Die Ergebnisse sind erschreckend: Führende Köpfe in Medizin und Forschung standen über Jahre hinweg auf den Gehaltslisten der Tabakkonzerne. Von 1950 an baute die Tabakindustrie ein Netzwerk von Forschungsinstitutionen und Wissenschaftlern auf, die finanziell von ihr abhängig waren. Im Gegenzug verschleierten und manipulierten diese Wissenschaftler jahrzehntelang Erkenntnisse über die Gefährlichkeit des Rauchens und Passivrauchens und lieferten zahlreiche tendenziöse Gegenstudien, die das Rauchen und Passivrauchen als harmlos darstellten.

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