Haben Mütter während der Schwangerschaft geraucht, leiden ihre Kinder im Teenageralter häufiger unter Psychosen. Im British Journal of Psychiatry wurde eine Untersuchung der Avon Longitudinal Study of Parents and Children mit 14000 Kindern vorgestellt, nach der Kinder von Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben, ein 20 Prozent erhöhtes Risiko für Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Ich-Störungen haben. Mit der Anzahl der gerauchten Zigaretten stieg das Risiko auf bis zu 84 Prozent.

Cardiff – Wenn die Mutter während der Schwangerschaft geraucht hat, leiden die Kinder im Teenageralter häufiger unter Psychosen. Dies geht aus einer Untersuchung im British Journal of Psychiatry (2009; 195: 294-300) hervor.

Die Avon Longitudinal Study of Parents and Children, in England auch als Kinder-der-90er-Jahre-Studie bekannt, begleitet eine Kohorte von mehr als 14.000 Kindern seit der Schwangerschaft ihrer Mutter. Die Kinder werden seither regelmäßig nachuntersucht und im Alter von 12 Jahren wurden 6.356 der angehenden Teenager auf mögliche psychiatrische Symptome hin untersucht.

Die Psychiater erkundigten sich mithilfe des Fragebogen PLIKS (“psychosis-like symptoms”) nach Halluzinationen, Wahnvorstellungen und Ich-Störungen – und fanden bei 11,6 Prozent der Kinder verdächtige oder definitive Symptome (letzteres bei 4,7 Prozent der Kinder).

Stanley Zammit von der Universität Cardiff in Wales setzte die Symptome der Kinder mit den Angaben der Mütter zum Konsum von Alkohol, Tabak und Cannabis in Beziehung. Wie erwartet war ein Alkoholkonsum, allerdings erst ab einer relativ hohen Menge (21 Drinks pro Woche), mit PLIKS assoziiert.

So viel Alkohol hatten allerdings nur 0,6 Prozent der Schwangeren getrunken. Ein niedrigerer Konsum war nicht mit erhöhten PLIKS-Werten assoziiert. Auch für einen Cannabiskonsum konnte keine schädliche Wirkung gefunden werden, was aber damit zusammenhängen könnte, dass nur wenige Frauen hier einen Konsum an- oder zugaben.

Jede fünfte Mutter hatte aber während der Schwangerschaft geraucht – was in einer ersten Auswertung mit einem um 33 Prozent erhöhten Risiko auf eine vermutete oder definitive PLIKS assoziiert war. Nach Berücksichtigung anderer Faktoren blieb noch ein um 20 Prozent erhöhtes Risiko übrig (Adjustierte Odds 1,20; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,05-1,37). Es stieg mit der Zahl der gerauchten Zigaretten auf bis zu 84 Prozent (Odds Ratio 1,84; 1,12-3,03) an.

Diese Dosisabhängigkeit gilt unter Epidemiologen als ein starkes Argument für ein tatsächlich vorhandenes Risiko. Es könnte, wenn die Berechnungen von Zammit zur “population attributable fraction” zutreffen, bedeuten, dass nicht weniger als 20 Prozent aller psychotischen Erkrankungen bei Teenagern vermeidbar wären, wenn alle Mütter während der Schwangerschaft auf das Rauchen verzichten würden.

Quelle: aerzteblatt.de

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