New York – US-Teenager, deren Cotinin-Werte im Serum eine passive Exposition mit Tabakrauch anzeigten, hatten in einer Studie in den Archives of Otolaryngology-Head and Neck Surgery (2011; 137: 655-662) fast doppelt so häufig sensorineurale Hörstörungen wie nicht exponierte Teenager.

Passivrauchen kann auf vielfältige Weise die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen schädigen. Neben negativen Auswirkungen einer pränatalen Exposition auf das Geburtsgewicht zählen ein Krippentod (SIDS), Atemwegsinfektionen und Asthma sowie Verhaltens- und kognitive Störungen zu den möglichen Folgen, zu denen es Belege aus epidemiologischen Studien gibt.

Auch eine Otitis media wurde mit dem Rauchen der Eltern in Verbindung gebracht. Nach Berechnungen der American Cancer Society sollen allein in den USA 750.000 Mittelohrentzündungen auf das Konto des Passivrauchens gehen.

Für die Hörstörungen, die Anil Lalwani vom Langone Medical Center der New York University School of Medicine und Mitarbeiter in ihrer Querschnittsstudie ermittelten, kommen Mittelohrentzündungen dagegen nicht als Erklärung infrage. Die Otitis media verursacht eine Schallleitungsstörung. Diese wurden von Lalwani jedoch von der Analyse ausgeschlossen. Es wurde allein nach Innenohrstörungen gesucht.

Die Studie beruht auf Hörtests an 1.533 US-Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren. Sie waren 2005 und 2006 im Rahmen des National Health and Nutrition Examination Survey durchgeführt worden.

Dort wurden auch die Konzentrationen des Nikotinmetaboliten Cotinin im Plasma bestimmt. Außerdem waren die Jugendlichen nach den Rauchgewohnheiten in der Familie befragt worden. Bei etwa der Hälfte aller Jugendlichen wurde eine Exposition mit Passivrauchen festgestellt.

Erstaunlich ist die Verbreitung der sensorineuralen Hörstörungen: 15 Prozent der Jugendlichen waren auf einem von beiden Ohren in den hohen Frequenzen nicht mehr in der Lage, einen Ton von 15 Dezibel wahrzunehmen. Bei 4 Prozent lag diese Störung an beiden Ohren vor. In den niedrigen Frequenzen hatten 9,5 Prozent unilaterale und 2 Prozent bilaterale Hörstörungen.

Nach den Analysen von Lalwani waren diese Hörstörungen mit einer Passivrauch-Exposition assoziiert: Exponierte Kinder hatten fast doppelt so häufig sensorineurale Hörstörungen. In den Frequenzen von 2, 3 und 4 kHz war der Zusammenhang statistisch signifikant, in einigen Frequenzen gab es eine Dosis-Wirkungsbeziehung, die für eine mögliche Kausalität spricht.

Ko-Autor Michael Weitzman vermutet, dass die Tabakbestandteile Durchblutungsstörungen in der Mikrovaskulatur des Innenohrs auslösen. Möglicherweise würden die Schäden bereits in der frühen Kindheit induziert, für Weitzman ein weiterer Grund, warum Eltern zuhause nicht rauchen sollten.

Die bei den Jugendlichen diagnostizierten Hörstörungen waren zwar gering. Acht von zehn Kindern war nicht bewusst, dass sie schlechter hören. Da Innenohrstörungen jedoch irreparabel sind und sich in der Regel im Verlauf des Lebens verschlechtern, sind die Ergebnisse bedenklich.

Quelle: aerzteblatt.de

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